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Haben Sie ein Internet für mich?

Ich bin kein Smartphone-Junkie. Ich gucke nebenbei auch noch aufs Tablet!

 

Ich bin Junkie. Sie denken nun möglicherweise an Heroin oder Kokain. Aber das ist nicht mein Problem. Meine Sucht heißt Internet. Ich kann nicht ohne es. Schlimmer noch: Ein Internet genügt mir nicht, ich will viele!

 

Wenn ich auf der Couch liege und per Smart TV Serien streame, ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich zwischendurch auf mein Mobiltelefon starre. Vielleicht gibt es ja eine neue Whatsapp-Nachricht oder jemand hat mir eine E-Mail geschickt. Zusätzlich linse ich noch auf das Display meiner Frau - nicht, dass ich da noch was verpasse! Ein Bildschirm reicht mir schon lange nicht mehr, ich will mehr: Ich will die volle Dröhnung, 24 Stunden lang!

 

Morgens reißt mich der Wecker meines Mobiltelefons aus meinem häufigen Traum, das Internet sei ein realer Ort, in dem man spazieren gehen, Tiere live in freier Wildbahn beobachten oder Vorlesungen zu egal welchem Thema anhören kann. Noch während des Aufstehens weise ich meinen Sprachassistenten an, die zu meiner Stimmung passende Musik zu spielen. Ich stolpere ins Bad, wo mir meine elektrische Zahnbürste sagt, wo, wie fest und lang ich putzen soll. Und als ich in die Küche komme, hat die Kaffeemaschine mir bereits eine Tasse mit fair gehandeltem Inhalt zubereitet. Während ich auf dem TV die neuesten Nachrichten lese, trinke ich sie.

 

 

So geht das den ganzen Tag, bis mich der von mir und meiner Frau bevorzugte - und vom Sprachassistenten abgespielte - Smooth Jazz in den Schlaf wiegt. Doch eine Schiene der elektronischen Berieselung reicht mir eben nicht mehr. Ich will die News zur Musik lesen, das Video parallel zur Serie anschauen, das Online-Schachspiel gewinnen, während ich meine Mails beantworte. Ich bin überall gleichzeitig, ich bin der Multi-Channel-Junkie! Es ist mir mittlerweile unmöglich geworden, nur einer einzigen elektronischen Beschäftigung nachzugehen. 

 

Dabei bin ich Spät-Einsteiger. Mit über 40 zähle ich zu jenen, die (oft gegen Widerstand) im Elternhaus das Internet einführten. Die Frauen noch persönlich anquatschen mussten. Die noch CDs besitzen, mal ein Reisebüro von innen gesehen haben oder wissen, wie sich Zeitungspapier anfühlt. Dabei will ich gar nicht meckern. Als Kind mochte ich es nicht, wenn Erwachsene erzählten, früher sei alles besser gewesen. Und es war ja auch gar nicht besser.

 

Nur: Während ich in der Kneipe noch mitunter von gleichaltrigen Freunden ermahnt werde, doch jetzt endlich mal das blöde Smartphone wegzulegen, ist das für junge Menschen oft normal. Sie sind mit der - meist von den Eltern vorgelebten - Berieselung aufgewachsen, der einfachen oder sogar der doppelten. Wie ihre Enkel das einmal handhaben werden, mag ich mir gar nicht vorstellen. Doch wer weiß, vielleicht dreht sich das Rad bis dahin in eine ganz andere Richtung.